Tipps im Umgang mit Medien


Für die „normale“ Welt sind Cosplayer oft Exoten. Jeder kennt die dummen Sprüche, die man zu hören bekommt, wenn man sich im Kostüm durch eine Menschenmenge quält: „Fasching ist doch vorbei!“ – „Mein Kind wird später mal anständig erzogen!“ oder auch „Warum verkleidest du dich so komisch?“.

Dementsprechend ist auch die Berichterstattung in den Medien oft ... suboptimal. Vor allem die Boulevardzeitungen und –sender versuchen gerne mal, Cosplayer regelrecht vorzuführen und ihrem Publikum zu zeigen, was für ‚merkwürdige Vögel’ da durch die Landschaft huschen.

Und da sich Cosplayer, wie jeder andere Mensch auch, ganz gerne selbst im Fernsehen oder einer Zeitung sehen, sind sie durchaus bereit, vor der Kamera Dinge zu tun, die sich im Nachhinein oft als unangenehm und peinlich herausstellen.
Deshalb möchten wir an dieser Stelle ein paar Tipps geben, wie man sich im Umgang mit Medien verhalten sollte.

  • Nicht jeden Mist mitmachen – z.B. nicht in die Kamera singen, schreien oder merkwürdige Geräusche von sich geben (wirkt im Fernsehen immer peinlich).
  • Nicht vor der Kamera umziehen (weil das immer auch ‚Ausziehen’ bedeutet).
  • Keine aufreizenden Bewegungen oder Posen vor der Kamera (Journalisten sehen im Cosplay leider oft nur eine erotische Komponente).
  • Möglichst seriös, aber nicht langweilig auftreten.
  • In Interviews immer versuchen, die immense Arbeit herauszustellen, die im Anfertigen des Kostüms steckt (Schwierigkeiten beim Besorgen der richtigen Utensilien, Schneidern, Hämmern, Basteln; Zeit, Geld und Aufwand, die das Hobby erfordern).
  • Wenn man merkt, dass einen der Interviewer in eine bestimmte – negative – Rolle drängen will, kann man gleich den Spieß umdrehen und ihm sagen: “Hey, wollen Sie mit mir über Cosplay reden oder darüber, dass Sie mich als lächerliche Person ansehen?“. Gegebenenfalls sollte man an dieser Stelle auch das Gespräch einfach abbrechen.
  • Auf die klassische Frage „Warum bist du so komisch angezogen?“ kann man ganz einfach antworten: „Weil es mir Spaß macht. Und warum sind SIE so komisch angezogen?“.
  • Wenn euch jemand interviewen oder filmen möchte, mit dem ihr das vorher nicht abgesprochen habt, und ihr seid gerade im Stress / in der Unterhose / nicht in der Stimmung: Sagt "Nein!" - freundlich aber bestimmt! Der Wettbewerb und das Wohl der Teilnehmer haben Vorrang. Wenn ein Pressevertreter euch irgendwie behindert oder ihr euch unter Druck gesetzt fühlt, bittet ihn zu gehen und sagt einem der Helfer Bescheid.
  • Generell gilt, dass ihr Fotografen oder Kameraleuten Bescheid sagen müsst, wenn ihr NICHT fotografiert/gefilmt werden wollt. Sagt ihr nichts, gilt das in der Regel als Zustimmung.
  • Behaltet zu persönliche Dinge für euch - und schimpft nicht öffentlich über die Jury oder die DCM-Orga.


Außerdem gelten folgende Regeln für Pressevertreter:

  • Keine Presse bei der Kostümbewertung, d.h. im Raum seid nur ihr, die Jury und der Juryleiter / DCM-Orga).
  • Kein Kontakt der Presse zur Jury während der Bewertungsphasen und keine Einsicht in die Bewertungsunterlagen oder Details der Bewertung.
  • Presse hinter der Bühne ist erlaubt, mit der Bitte um Rücksichtnahme auf die Privatsphäre der Teilnehmer (kein Filmen beim Umziehen; Interviews nur mit den Teilnehmern, mit denen dies vorher abgesprochen wurde).
  • Presse vor der Bühne ist sehr erwünscht, natürlich ohne Behinderung der Zuschauer in der ersten Reihe oder der Jury

Übrigens: Wenn ihr eine Verabredung mit jemandem von der Presse habt, der euch interviewen oder beim Finale begleiten möchte, sagt uns doch bitte kurz Bescheid, um wen es sich handelt, damit wir den Überblick behalten. Wenn euch jemand auf die DCM anspricht, könnt ihr denjenigen auch gerne an uns verweisen ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ).

Ebenso würden wir uns freuen, wenn ihr alle Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge etc. sammelt, die ihr von der DCM findet (auch regionale Presse) - wir möchten ein Archiv bzw. einen Pressespiegel erstellen.

Ganbatte ne! ^_^

 

 

Interview mit Britta Friedrich,

PR-Manager, Pressestelle Frankfurter Buchmesse

Habt ihr einen Überblick, wie viele Presseleute die Buchmesse aufsuchen? Wie viele Berichte gibt es während und nach der Buchmesse?

Britta Friedrich: Im letzten Jahr nahmen rund 10.000 Journalisten aus 63 Ländern an der Frankfurter Buchmesse teil. Die Berichterstattung war immens: Wir haben einen Dienstleister, der die Artikel und Berichte, sogenannte Clippings, für uns sammelt. Nach der Messe warten dann im Büro kistenweise Artikel und Listen zur Auswertung auf uns.  

Wie sind Eure Erfahrungen in Bezug auf die  Berichterstattung über die Buchmesse? Über das Cosplay?

Britta Friedrich: Die Buchmesse hat in der Presse – wie in der Öffentlichkeit insgesamt -  ein glücklicherweise sehr gutes Image. Die Resonanz ist entsprechend positiv. Natürlich gibt es auch immer mal wieder kritische Töne, die sich aber meist darauf beziehen, dass es viel zu voll war in den Messehallen.
Das Comic-Zentrum und das Cosplay gehören – im wahrsten Sinne des Wortes - zu den "bunten" Themen der Messe. Seit 2002 sind die Cosplayer auf der Messe vertreten und sorgen für Aufmerksamkeit – zumal das Cosplay außerhalb der Szene ja nicht unbedingt bekannt ist. Als 2007 das Finale der Deutschen Cosplaymeisterschaft das erste Mal auf der Messe stattfand, war das etwas Neues, das das Medienecho verstärkt hat.
Nicht zuletzt sind und bleiben die bunten und kreativen Kostüme natürlich ein optisches Highlight, um das sich die Fotografen und Filmeleute reißen. Und so werden die Cosplayer wohl auch in diesem Jahr wieder zu den meist fotografierten und gefilmten Messeteilnehmern gehören.

Könnt ihr Berichte kontrollieren, z.B. durch vorheriges Korrekturlesen?

Britta Friedrich: Nein. Das möchten wir auch nicht. Als Frankfurter Buchmesse stehen wir für die Freiheit des Wortes ein – das gilt natürlich auch für die Berichterstattung zur Messe.

Was rätst du als ‚God of the News’ Cosplayern allgemein im Umgang mit Presse? Worauf sollten sie achten?

Britta Friedrich: Erst einmal sollten sich alle Cosplayer darüber bewusst sein, wie viele Journalisten auf der Messe sind, und dass "ganz Deutschland" später die Ergebnisse lesen oder  sehen kann. Bei Großveranstaltungen gilt die Regel, dass Journalisten nicht einzeln die Erlaubnis z.B. fürs Fotografieren oder Abfilmen einholen müssen. Das heißt, sie halten drauf, wo sie möchten. Wenn einem das unangenehm ist und man in diesem Moment einfach keine Lust darauf hat, sollte man das deutlich machen. Das gleiche gilt für Interviews: Wenn man gerade keine Lust hat, etwas zu sagen oder der Medienvertreter Fragen stellt, die einem unangenehm sind, freundlich aber bestimmt darauf aufmerksam machen oder das Gespräch abbrechen.
Vor allem vor der Kamera gilt außerdem: weniger ist manchmal mehr. Das bedeutet, dass man sich besser nicht zu Grimassen, wilden Tänzen oder sonstigem hinreißen lassen sollte, was einem später peinlich oder unangenehm sein könnte. Einfach man selbst bleiben, natürlich und authentisch - das kommt meist am Besten an. Und nicht vergessen: Journalisten sind auch nur Menschen.